Dienstag, 3. Juli 2012

Über die mediale Machtverschiebung

Während eines Workshops zum Thema Soziale Medien wurde ich auf die Videos von Prof. Dr. Peter Kruse aufmerksam. In dem Statement, das er am 5.Juli 2010 in der 4. Sitzung der Enquete Kommision "Internet und digitale Gesellschaft" des Deutschen Bundestages abgab, vertrat er folgende Grundthese: "Das Internet kann die Menschen wirklich revolutionär positiv verändern, durch die mediale Machtverschiebung der Gesellschaft vom Anbieter zum Nachfrager".




Es ist wie eins und eins zusammenzählen:

   Erhöhung der Netzdichte
+ Ermöglichung von Spontanaktivität
+ kreisende Erregung im Netz
= Unvorhersagbares Verhalten der Systeme.

Und wie wäre es mit einem Beispiel der beschriebenen Machtverschiebung? Am 16. Februar 2011 wurden in der Plagiatsaffäre Guttenberg die ersten Plagiatsvorwürfe bezüglich der Doktorarbeit des Herrn zu Guttenberg in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Eine breite Öffentlichkeit erfuhr durch den Bundesminister: „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“. Noch am gleichen Tag formierte sich eine Bewegung im Internet, die sich der Aufklärung der Vorwürfe (siehe GuttenPlag Wiki) annahm. Am 21. Februar bat Herr zu Guttenberg die Universität Bayreuth um Rücknahme seines Doktorgrades und räumte auf einer CDU Veranstaltung „gravierende Fehler“ ein, die er aber "nicht bewusst" gemacht habe. Zwei Tage später gab die Universität Bayreuth nach erfolgter Prüfung die Aberkennung des Doktorgrades bekannt. Auf den folgenden Rücktritt des Bundesministers der Verteidigung und die anschließende juristische Bewertung der festgestellten Urheberrechtsverletzungen möchte ich hier nicht näher eingehen.

Die kraftvolle Bewegung im Internet schaffte innerhalb von nicht einmal zwei Wochen klare, nachweisbare Fakten zu den Plagiaten in der Dissertation des Herrn zu Guttenberg. In der dann folgenden Zeit nahmen sich die Plagiatsjäger immer wieder Dissertationen öffentlicher Personen an. Ebenfalls bekannt wurde z.B. die kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Silvana Koch-Mehrin.

So kann man sich sicher dem Schlusswort von Prof. Dr. Peter Kruse anschließen: 
"Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Geduld." 

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